Ganztagsschule

Die vormittägliche Unterrichts und Erziehungsarbeit muss unterstützt werden durch pädagogische Angebote, die einen deutlichen Schwerpunkt in Hinblick auf die Erziehung und weniger auf der Vermittlung von Wissens und Sachkompetenz im herkömmlichen Sinne setzen. Diese pädagogische Arbeit wird dann die Vormittagsarbeit ergänzen und zudem wesentlich entlasten können.

Hier bietet sich das Modell einer offenen Ganztagsschule geradezu an.

Die offene Ganztagsschule enthält das wichtige Element der Freiwilligkeit des Angebots. Erst dies lässt es auch für viele derjenigen Eltern attraktiv erscheinen, die vom Pflichtcharakter einer auch nur teilweise offenen Ganztagsschule abgeschreckt würden.

Die Nachmittagsangebote der offenen Ganztagsschule Europaschule Friesenschule werden

 

  • Kontakte und Beziehungen zwischen Schülerinnen und Schülern aus unterschiedlichen sozialen Gruppen, unterschiedlichen Klassenverbänden und anderen Organisationsgruppen des vormittäglichen Arbeitens sowie zwischen diesen und den Lehrkräften ermöglichen und verstärken. Dies wird sich positiv auf die Motivation aller Beteiligten und die Freude an der gemeinsamen Arbeit auswirken,

  • ein gemeinsames Lernen und Leben von Schülerinnen und Schülern verschiedener ethnischer sowie kultureller Herkunft praktizieren und dadurch die Schülerinnen und Schüler zu Toleranz und Interesse an dem "Anderen" erziehen,

  • außerschulische Angebote einbeziehen, um die Schule als Stadtteilschule zu einem attraktiven Mittelpunkt des Standortes zu machen, der sich nicht nur als vormittägliche Lerninstanz versteht, sondern als den ganzen Tag offene und aktive Institution, in der miteinander gelebt, gearbeitet und gelernt wird,

  • die Gleichberechtigung der Geschlechter durch eine Erziehung zu partnerschaftlichem Verhalten fördern.

 

Zentrale pädagogische Ziele sind dabei die Konkretisierung der im Schulvertrag der Friesenschule festgehaltenen Rechte und Pflichten der an Schule Beteiligten.

 

Konkrete Ausgestaltung

In der offenen Ganztagsschule wird der Pflichtunterricht wie bisher fast ausschließlich am Vormittag erteilt.

 

Angebot eines Mittagessens

In der Mittagspause wird den Schülerinnen und Schülern ein gemeinsames Mittagessen in der Mensa angeboten. Die Organisation der Anmeldung und Abrechnung übernimmt der Schulassistent der Friesenschule. Die Ausgabe des Essens wird durch eine Hilfskraft durchgeführt, die die Lebenshilfe stellt. Die Mittagspause ist zeitlich so bemessen, dass Schülerinnen und Schüler auch die Schule verlassen können um zu Hause eine Mittagsmahlzeit einzunehmen und danach die Angebote des Nachmittags wahrzunehmen.

 

Planung und Anbindung des Nachmittagsangebots

Durch die institutionalisierte Beteiligung der Erziehungsberechtigten und der Schülerinnen und Schüler an der Planung und Durchführung des Nachmittagsangebots in der Steuerungsgruppe "Ganztagsbetrieb" wird die Schule zum gemeinsamen Anliegen. Hausaufgabenhilfe und Förderunterricht im direkten Anschluss an das gemeinsame Mittagessen, die den Vormittagspflichtteil und das Nachmittagsangebot verknüpfen, stellen die noch eher unterrichtlich ausgerichteten Angebote dar. Den Charakter des besonderen pädagogischen Angebots machen die vielfältigen Arbeitsgemeinschaften des Nachmittags deutlich, die zum großen Teil von Lehrkräften auf Grundlage der Planung der Steuerungsgruppe "Ganztagsbetrieb" realisiert werden, aber auch Angebote z.B. von Übungsleitern der Sportvereine einschließen oder sich aus der Kooperation mit der Berufsbildenden Schule II ergeben.

 

Kooperation mit der Berufsbildenden Schule II

Die Kooperation mit der BBS II wird im Augenblick entwickelt; sie wird im Schuljahr 2004/05 in der Form begonnen werden, dass ein Wahlpflichtkurs Arbeit/Wirtschaft und ein Wahlpflichtkurs Naturwissenschaften insoweit von den Schulen gemeinsam realisiert werden, als sie von einer Lehrkraft der BBS II und einer Lehrkraft der Friesenschule gemeinsam geplant und mit Schülerinnen und Schülern der Friesenschule an der BBS II unter Ausnutzung der dort vorhandenen Räumlichkeiten und Geräte durchgeführt werden. Ziel ist die Verzahnung des Übergangs zwischen beiden Schulen. Zusätzlich werden zwei Arbeitsgemeinschaften in ähnlicher Weise mit den Schwerpunkten Bühnenbau (Holz-, Farb- und Raumgestaltung) sowie Informatik (IT) durchgeführt werden.

 

Zusammenarbeit mit Vereinen

Die Zusammenarbeit mit Sportvereinen ist zunächst geplant und vorbesprochen mit

 

  • dem Verein SC 04 (Schwerpunkt Fußball)

  • dem Ruderclub Leer

  • dem Segelverein (WSC Loga)

 

Freizeitbereich

In einem zu schaffenden Gebäudeteil wird ein Freizeitbereich eingerichtet. Dieser muss mindestens die Größe von drei Klassenräumen haben. In ihm werden Spielgeräte wie z.B. Billardtisch und die vorhandenen Kicker aufgestellt, es gibt aber auch Sitzgruppen und einige Tische und Stühle, an denen schriftlich gearbeitet werden kann, sowie Schränke zur Aufbewahrung von Spielen. In diesem Freizeitbereich der Schule wird eine pädagogische Mitarbeiterin bzw. ein pädagogischer Mitarbeiter eingesetzt, um die Bereiche von Erziehung abzudecken, für die Lehrkräften weder am Vormittag noch in der Arbeitsgemeinschaften des Nachmittags Zeit zur Verfügung steht. Hier werden auch zeitliche Ressourcen für die Betreuung von Schülerinnen und Schülern mit sozialen Defiziten genutzt, die z.B. Schwierigkeiten haben, den als allgemein selbstverständlich angesehenen Ansprüchen des Arbeitssystems Schule nachzukommen. Zu diesen Schwierigkeiten gehören nach Beobachtungen der letzten Jahre in zunehmendem Maße die Unfähigkeit zu regelmäßigem Schulbesuch, das Unvermögen Hausaufgaben regelmäßig anzufertigen, Mobbing und physische Auseinandersetzung statt verbaler Konfliktlösung usw. Gleichzeitig wird die pädagogische Mitarbeiterin bzw. der pädagogische Mitarbeiter als aktive Schnittstelle zu sonst schwer erreichbaren Erziehungsberechtigten genutzt werden, um auch diese wieder in die gemeinsame Erziehungsarbeit zurückzuholen. Der Freizeitbereich steht am Vormittag als vom pädagogischen Mitarbeiter bzw. von der pädagogischen Mitarbeiterin betreuter Raum für Schülerinnen und Schüler zur Verfügung, die beispielsweise Freistunden durch Nichtteilnahme am Religionsunterricht haben; es ergeben sich hier aber auch endlich Möglichkeiten, Stunden mit der zweiten Fremdsprache einmal aus Randstunden in den Vormittag zu verlegen, weil die nicht teilnehmenden Schülerinnen und Schüler im betreuten Freizeitbereich Möglichkeiten zu positiven betreuten Aktivitäten vorfinden. Langfristig lässt sich dieser Bereich unter Einbeziehung und Ausbau der vorhandenen Schülerbücherei und des vorhandenen Computerangebots zur "Lerninsel" und der damit verbundenen Möglichkeit zur Beschaffung von Informationen im projektorientierten Fachunterricht ausbauen, selbst wenn dazu langfristig Investitionen nicht unerheblichen Ausmaßes nötig werden.

Schon beim vorhandenen sehr knappen Angebot an Beschäftigungsmöglichkeiten (Sportgeräte auf dem Schulhof, Kicker in der Pausenhalle) fällt auf, dass eine große Anzahl von Schülerinnen und Schülern nach Unterrichtsschluss (z.B. nach der vierten Stunde) noch in der Schule verbleibt statt den Heimweg anzutreten. Hier fehlt jetzt schon ein pädagogischer Mitarbeiter/eine pädagogische Mitarbeiterin, der/die sinnvolle betreute Angebote machen kann.

 

Nachmittagsangebot

Am Beginn des Nachmittags werden von Lehrkräften bzw. nach Etablierung des Modells evtl. auch Schülerinnen und Schülern der zehnten Klassen Möglichkeiten betreuter Hausaufgabenanfertigung angeboten. Es schließen sich Förderunterrichtsstunden insbesondere in den Fächern Deutsch, erste Fremdsprache und Mathematik an. Dann folgt ein reichhaltiges Angebot von Arbeitsgemeinschaften, die von Lehrkräften bei entsprechender Unterrichtsversorgung z.B. mit folgenden Schwerpunkten angeboten werden können:

 

  • Bereich MuKuBi: Schulband, Modellbau, Seidenmalerei, Projekte im Bereich Kunst und Textilarbeit,

  • Sport: Leichtathletik, Volleyball, Basketball, Fußball (evtl. in Kooperation mit Sportvereinen vor Ort), Segeln, Football, Rudern (in Kooperation mit Ruderclub vor Ort), Selbstverteidigung für Mädchen, Funsportarten wie z.B. Inlineskaten, Skateboardfahren,

  • Neue Technologien: Internetrecherchen, Homepagebetreuung, Internetcafé; evtl. Übungsmöglichkeiten zur Vertiefung der Fähigkeiten und Fertigkeiten aus dem Pflichtteil "Medienprofilschule" am Vormittag,

  • Schulschach,

  • Sprachen: Schülerzeitung, emailKontakte, evtl. Konversationskurse in Englisch und Französisch für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler, Nutzung unserer vielfältigen Kontakte zu Partnerschulen im europäischen Ausland und Vertiefung des Schwerpunktes "Europaschule",

  • Naturwissenschaften mit Themen wie: "Wir nutzen unsere Schule als Labor", "Wir experimentieren", "Wir untersuchen die Qualität des Standortes mit vorhandenen naturwissenschaftlichen Kompetenzen und Geräten", Betreuung des Schulbiotops,

  • Hauswirtschaft: Internationale Küche,

  • fachübergreifend: Lernen lernen,

  • einzelne Unterrichtsprojekte z.B. mit forschendem Ansatz.

  • in Kooperation mit der BBS II z.B. Informationstechnik, Farb und Raumgestaltung (Bühnenbau für TheaterAG),

  • Es können auch außerunterrichtliche Angebote gemacht werden wie z.B. Mofaführerschein, Übungsleiterlehrgänge, ErsteHilfeKurse etc.

Die Arbeitsgemeinschaften werden grundsätzlich jahrgangsübergreifend angeboten. Dies trägt zur Förderung sozialer Kompetenzen bei, indem Schüler und Schülerinnen unterschiedlicher Jahrgänge konstruktiv ergebnisorientiert zusammenarbeiten müssen. In Fällen, die altersbezogene Differenzierungen notwendig machen z.B. in leistungsorientierten SportArbeitsgemeinschaften wird in erster Linie mit den Möglichkeiten innerer Differenzierung gearbeitet werden.

Ziel aller Nachmittagsangebote ist nicht nur die Betreuung der Schülerinnen und Schüler, sondern vor allem die Entwicklung ihrer Fähigkeiten und Kompetenzen zu selbstbestimmter sinnvoller Freizeitbeschäftigung.

 

Zu erwartende Belastungen:

 

  • Der Schulträger schafft die räumlichen Voraussetzungen für einen Freizeitbereich.

  • Das Land stellt über erhöhte Lehrerstundenzuweisung die Möglichkeit sicher, dass Lehrkräfte Angebote am Nachmittag machen können.

  • Das Land stellt weiterhin über die Beschäftigung des vorhandenen Schulassistenten sicher, dass dessen Arbeitszeit und -kraft zur verwaltungsmäßigen Abwicklung z.B. der Organisation des Mittagessens zu Verfügung steht.

  • Das Land stellt über die Beschäftigung einer pädagogischen Mitarbeiterin bzw. eines pädagogischen Mitarbeiters die Betreuung des Freizeitbereiches und einzelner Nachmittagsangebote sicher.

  • Lehrkräfte, Eltern und Schülervertretung sowie Schulleitung bringen sich engagiert in die inhaltliche Ausgestaltung ein und tragen Verantwortung für das Gelingen durch die aktive Mitarbeit in der Steuerungsgruppe "Ganztagsangebot".

   
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